Randnotizen: Dritte Ausgabe

Teresa Johnson, Ph.D.

Sprach- und Kulturexpertin. Menschen verbinden auf Deutsch, Englisch und Chinesisch.

09. März, 2026

Randnotizen: Dritte Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser,

heute gibt es frisches Material für euch, denn die dritte Ausgabe der Randnotizen ist da.

Vielleicht ging es euch ja auch schon einmal so: Das Blatt (oder der Bildschirm) vor euch ist noch unbeschrieben, aber die Gedanken wollen sich einfach nicht einfangen und aufschreiben lassen. Was kann man dagegen tun? Schaut mal in die Rubrik „Tips von Eurer Lektorin“ rein – vielleicht ist hier ein passender Tip für euch dabei!

Außerdem gibt es natürlich wieder ein neues Beispiel zum Umgang mit dem Chicago-Zitierstil. Auch meine Leseliste habe ich aktualisiert mit allem, was ich im März bisher gelesen habe oder noch dabei bin zu lesen.

Alle bisherigen Newsletter könnt ihr übrigens auf meiner Webseite nachlesen.

Herzliche Grüße,

Eure Teresa Johnson


Teresa Johnson, Ph.D. 姜心悦
Deutsch (Muttersprache), Englisch, Chinesisch

Lektorat Johnson
Leistungen: Lektorat, Korrektorat, Übersetzung
Spezialisierung: Wissenschaftliches Arbeiten, Sachtexte

Tips von Eurer Lektorin

Wie vor einer Wand

Dein nächstes Textprojekt steht an und du fragst dich, wie du das weiße Blatt vor dir in zwanzig Seiten Text verwandeln sollst? Oder in fünfzig? Oder gar zweihundert? Die Vorstellung, aus einem leeren Blatt Papier einen ausgefeilten Text zu zaubern, kann schnell überfordern, ja sogar nichtig lähmen. Dieses Gefühl kenne ich selbst sehr gut. Es ist fast so, als ob du vor einer Wand stündest. Je länger du auf die weiße Seite starrst, desto schwieriger wird es, den Anfang zu finden und durchzustarten.

Aber: Kein Wunder!! Denn wenn man es sich recht überlegt, muss ja einiges passieren, damit so viel Text entsteht. Vielleicht hilft es dir, deine Herangehensweise anzupassen. Anstatt von null auf hundert Seiten springen zu wollen, könntest du dich folgendermaßen herantasten:

Welche Zwischenschritte kannst du einbauen, die dir den Weg zum finalen Text erleichtern? Wie kannst du gedankliche Hürden abbauen, die dir das Schreiben nur erschweren? Um vom Erdgeschoss in den ersten Stock zu gelangen, springst du ja auch nicht einfach hoch, sondern nimmst die Treppe (oder den Fahrstuhl), um dein Ziel zu erreichen!

Hier also ein paar Beispiele für kleine Zwischenziele, die leichter zu erreichen sind als das große Endziel:

  • Setze dir ein kleines Schreibziel für jeden einzelnen Tag! Zum Beispiel eine grobe Gliederung, ein Absatz, oder die Auswertung einer einzelnen Quelle.
  • Befreie dich von dem Anspruch, dass jeder Satz sofort perfekt sein muss. Es ist besser, einen Satz auf dem Papier stehen zu haben, der noch überarbeitet werden muss, als am eigenen Perfektionismus zu scheitern und am Ende wieder nur ein weißes Blatt vor sich zu haben!
  • An Tagen, an denen dir ein zuvor gesetztes Zwischenziel plötzlich viel zu groß erscheint, schraubst du dein Ziel einfach so weit herunter, bis es dir machbar erscheint. Manchmal kann das heißen, einen einzigen Satz zu schreiben. Und wenn du das geschafft hast, kommt vielleicht noch ein zweiter dazu. Eventuell noch ein dritter. Tatsächlich schaffst du wahrscheinlich mehr als du ursprünglich gedacht hast.

Das ist natürlich keine umfassende Liste, sondern soll dir als Anregung dienen, das Schreiben anders anzugehen.

Asienwissenschaften

Wichtiger Teil aller wissenschaftlicher Arbeiten ist das korrekte Zitieren. In den Asienwissenschaften und insbesondere der Sinologie weit verbreitet ist das Zitieren basierend auf dem The Chicago Manual of Style, oft auch kurz als Chicago bezeichnet. Daher möchte ich euch anhand von wechselnden Beispielen zeigen, wie man in diesem Zitierstil die gängigsten Textarten zitiert.

Zitieren mit dem Chicago-Stil: Aufsatz oder Kapitel in einem Sammelband

In der Fußnote:

1. Daniel Youd, „Beyond Bao: Moral Ambiguity and the Law in Late Imperial Chinese
Narrative Literature“, in Writing and Law in Late Imperial China: Crime, Conflict, and Judgment, herausgegeben von Robert E. Hegel und Katherine Carlitz (University of Washington Press, 2007), 220.

2. Jiayi Chen, „Ghostly Dicing: Gambling Games and Deception in Ming-Qing Short Stories“, in Games and Play in Chinese and Sinophone Cultures, herausgegeben von Li Guo, Douglas Eyman und Hongmei Sun (University of Washington Press, 2024), 140.

Verkürzte Fußnote (bei erneuter Nennung):

3. Youd, „Beyond Bao“, 221.

4. Chen, „Ghostly Dicing“, 142.

Im Literaturverzeichnis (alphabetisch sortiert):

Chen, Jiayi. „Ghostly Dicing: Gambling Games and Deception in Ming-Qing Short Stories“. In Games and Play in Chinese and Sinophone Cultures, herausgegeben von Li Guo, Douglas Eyman und Hongmei Sun. University of Washington Press, 2024.

Youd, Daniel. „Beyond Bao: Moral Ambiguity and the Law in Late Imperial Chinese
Narrative Literature“. In Writing and Law in Late Imperial China: Crime, Conflict, and Judgment, herausgegeben von Robert E. Hegel und Katherine Carlitz. University of Washington Press, 2007.

*Im Literaturverzeichnis einer wissenschaftlichen Arbeit würde man die einzelnen Einträge typischerweise zusätzlich durch hängende Einzüge visuell voneinander absetzen.*

Hier hätte sich ein Lektorat gelohnt…

Die folgenden Beispiele stammen aus verschiedenen Medien, die mir im Arbeitsalltag und in der Freizeit begegnen, mal auf Deutsch, mal auf English. Sie verdeutlichen, dass so mancher Text (und auch manches gesprochene Wort) vor der Veröffentlichung von einem Lektorat profitiert hätte. Mir geht es hier aber nicht darum, andere bloßzustellen. Daher nenne ich nur das Genre oder Medium, nicht aber die konkrete Person oder die Quelle, der die Beispiele zuzuordnen sind.

 

(Leider) so gelesen und gehört:

  • KRIMINALROMAN: Er hoffte, dass dieser Überfall auf Mary keine bleibenden Schäden bei der Frau des Verwalters hinterlassen würde. [Mary = Frau des Verwalters]
  • INTERVIEW: Sie bestritt zunächst das Turnier und später die Behauptung der Medien, dass sie im Vorfeld nicht genug trainiert hatte. [Zeugma]
  • BILDBESCHREIBUNG IN EINEM ZEITUNGSARTIKEL: A man holds incense sticks during the chinese lunar new year’s eve celebrations at Boen San Bio temple. [Groß- und Kleinschreibung]

Was ich im März lese

Wissenschaftliches

  • „The Dynamics of Chinese Buddhism in the Ming and Qing: Social Network Analysis Based on a Combined Dataset“, von Mariia Lepneva, Journal of the European Association of Chinese Studies, Vol. 6.2 (2025)
  • „Translation and Chinese Culture in Video Games“ (2024), von Douglas Eyman, in Games and Play in Chinese and Sinophone Cultures, herausgegeben von Li Guo, Douglas Eyman und Hongmei Sun.

Freizeitlektüre

  • Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen (2021), von Jaroslav Rudiš. Die Leidenschaft des Autors fürs Zugreisen liest man von den ersten Zeilen an heraus. Ruhige Lektüre, die einen auf eine virtuelle Reise durch Europa mitnimmt.
  • Ikigai: Die japanische Lebenskunst (2023), von Ken Mogi. Kurzweiliges Sachbuch zum Thema Lebenssinn und Zufriedenheit. Reale Beispiele aus der Lebenswelt von Japanerinnen und Japanern veranschaulichen die unterschiedlichen Herangehensweisen und Interpretationen von ikigai.
  • Hiroshige (2022), von Adele Schlombs. Ein toller Bildband über die ukiyo-e Holzschnitte des japanischen Künstlers Hiroshige (1797-1858). Die abgedruckten und besprochenen Kunstwerke sind unter anderem in der Sammlung des Chazen Museum der University of Wisconsin-Madison zu sehen.

Die Auflistung der Texte in diesem Abschnitt des Newsletters basiert nicht auf den Regeln des Chicago-Stils.

Anstehende Termine

März 2026

Fortbildung

Stetige Fort- und Weiterbildung ist auch für Lektorinnen und Lektoren essenziell, um immer auf dem Neuesten Stand zu sein. Daher freue ich mich auf eine Fortbildung bei der Akademie der Deutschen Medien Ende März. Mehr Details dazu im nächsten Newsletter!

Bei Fragen oder Rückmeldungen zu diesem Newsletter: Schreibt mir einfach an info@lektorat-johnson.de!

Wenn ihr euch mit mir vernetzen wollt, schickt mir gerne eine Kontaktanfrage per LinkedIn!

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Wie wäre es mit einem Probelektorat?

Wenn du meinen Arbeitsstil als Lektorin kennenlernen möchtest, ist ein Probelektorat die perfekte Lösung. Ich lektoriere deinen Text exakt eine Stunde lang. Danach erhälst du den lektorierten Text zurück und wir besprechen mein Feedback für dich in einem Telefonat oder Videocall.

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