Randnotizen: Oktober-Ausgabe
Randnotizen: Oktober-Ausgabe
Liebe Leserinnen und Leser,
wie im Flug ist der September an mir vorbeigezogen und schon sind wir mitten im Oktober. Die Tage werden kürzer und kühler, es ist eindeutig Herbst. Das heißt aber nicht, dass bei mir nun weniger los wäre!
Ganz im Gegenteil: Im Oktober bin ich auf gleich zwei Buchmessen unterwegs und arbeite fleißig am Ausbau meines Netzwerks, sowohl in Bezug auf Autor*innen als auch Kolleg*innen.
In der heutigen Ausgabe der Randnotizen macht sich das folgendermaßen bemerkbar: Es geht um meine Erfahrungen beim Netzwerken. Außerdem stelle ich euch ein paar gruselige Geschichten aus China vor. Nicht fehlen darf natürlich die Leseliste für den Oktober.
Ihr habt Fragen oder Rückmeldungen zu den Randnotizen? Über eure Nachrichten freue ich mich sehr! Alle bisherigen Newsletter könnt ihr wie gewohnt im Archiv auf der Webseite nachlesen.
Herzliche Grüße
Eure Teresa Johnson
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Teresa Johnson, Ph.D. 姜心悦
Deutsch (Muttersprache), Englisch, Chinesisch
Lektorat Johnson
Leistungen: Lektorat und Übersetzung
Spezialisierung: Wissenschafts- und Sachtexte
Tipps von Eurer Lektorin
Netzweken – yay or nay?
Netzwerken – die einen lieben es, die anderen eher nicht. Wenn ihr mich fragt, ob ich gerne netzwerke oder gar gut darin bin, dann ist meine spontane Antwort ein klares „Nein!“. Eigentlich stimmt das so aber gar nicht. Denn je nachdem, wie ich das Netzwerken definiere, gefällt und liegt es mir durchaus sehr gut!
Warum also dieses intuitive Nein? Vermutlich, weil meine erste Vorstellung vom Netzwerken aussieht wie folgt: Ein Raum voller mir unbekannter Business-Menschen, die sich untereinander scheinbar schon kennen und die ich nun dazu bringen soll, ohne für sie ersichtlichen Grund, mit mir zu sprechen und sich bestenfalls sogar für mich und meine Arbeit zu begeistern. Ich schätze, ich bin nicht die Einzige mit dieser Vorstellung vom Netzwerken und auch nicht die Einzige, der in solch einer Situation das Netzwerken ungemein schwierig erscheint.
Glücklicherweise gibt es da einen Ausweg. Nämlich dann, wenn ich meine Vorstellung vom Netzwerken erweitere bzw. ganz ändere. Ja, der Raum voller Menschen bietet eine Möglichkeit zum Netzwerken. Es gibt aber auch andere Arten des Netzwerkens. Zum Beispiel eins zu eins. Wie das geht? Ich kontaktiere eine Person, die mich interessiert und die ich entweder bei einer Veranstaltung getroffen oder in den sozialen Netzwerken gefunden habe und frage sie, ob sie sich mit mir zu einem kurzen Kennenlerngespräch verabreden möchte. Fertig!
Nun mag diese Art der Begegnung auch nicht jedermanns Fall sein, aber für mich funktioniert es sehr gut. Vor allem, wenn ich den Zeitrahmen des Gesprächs beim ersten Mal relativ kurz halte. Das ermöglicht beiden Seiten entspannt zu schauen, ob gegenseitiges berufliches Interesse besteht. Falls ja, lässt sich leicht ein weiteres Treffen vereinbaren. Im Optimalfall läuft das erste Gespräch so gut, dass die Zeit gar nicht ausreicht, um alles im Detail zu besprechen. Positiver Nebeneffekt: Es bleibt genügend Gesprächsstoff für das nächste Treffen!
Sicherlich sind die beiden oben genannten Varianten des Netzwerkens nicht die einzigen. Es geht mir auch nicht darum zu sagen, dass eine Version besser ist als die andere. Ich habe aber festgestellt, was für mich am besten funktioniert und merke immer wieder, dass durch eine zu starre Vorstellung vom Netzwerken in meinem Kopf ein trügerisches Narrativ über meine eigenen Fähigkeiten und Vorlieben entsteht!
Fazit: Wie die beste Art des Netzwerkens für dich aussieht, hängt davon ab, in welchen Situationen du am besten deine Stärken ausspielen kannst. Das findest du am leichtesten heraus, indem du mal verschiedene Formen des Netzwerkens ausprobierst. Letztlich zählt vor allem, dass du eine Variante findest, die dir liegt und mit der du erfolgreich dein berufliches Netzwerk erweiterst!
Asienwissenschaften
In chinesischen Texten der Gattung zhiguai 志怪 (wörtlich: Aufzeichnungen des Ungewöhnlichen) kommen viele unterschiedliche Arten von Wesen vor. Neben Menschen geht es auch um Tiere, Götter, Geister, Monster und vieles mehr. In diesem Abschnitt des Newsletters stelle ich euch diese Wesen nach und nach vor und gebe euch Tips und Beispiele, wo ihr mehr zum jeweiligen Thema des Tages lesen könnt.
Wer oder was sind eigentlich jiangshi 僵屍?
Heute wird es etwas gruselig. Denn bei jiangshi 僵屍 (manchmal auch jiangshi 殭尸 geschrieben) handelt es sich dem wörtlichen Sinn nach um starre Leichen, also um die erstarrten Körper von Toten. Die sich mitunter auch mal bewegen. In harmlosen Fällen kopiert der Leichnam die Bewegungen von Menschen in seiner Umgebung, so auch in einer der drei Geschichten, die unten folgen. Manche Geschichten erzählen aber auch davon, dass jiangshi die Menschen angreifen und ihnen gefährlich werden. Wie in einem Horrorfilm.
Jiangshi 僵屍 in zhiguai-Geschichten
Geschichten über jiangshi gibt es insgesamt wahrscheinlich weniger als solche über gui-鬼-Geister. Das macht sie aber nicht weniger interessant. In der zhiguai-Samlung mit dem Titel Zibuyu 子不語 (Worüber der Meister nicht sprach, 1788) finden sich einige auf unterschiedliche Art und Weise kuriose Beispiele. Hier drei Geschichten in Zusammenfassung:
„Jiangshi shou zhi yuanbao 殭尸手執元寶“ (Eine starre Leiche hält einen Silberbarren in der Hand). Nach einem Erdbeben im Jahr 1731 in der Provinz Shanxi wird ein Flecken Erde untersucht, der vom Beben verschont blieb. Bei Ausgrabungen wird eine ganze Familie im Boden gefunden, deren Leichname zwar steif sind, bei denen der Fäulnisprozess aber noch nicht eingesetzt hat. Alle Grabbeigaben sind intakt. Beim Familienoberhaupt entdeckt man sogar, dass er in seiner Hand einen kleinen Silberbarren hält.
„Huagong hua jiangshi 畫工畫殭尸“ (Ein Maler malt eine starre Leiche). In dieser Geschichte wird ein Maler aus Hangzhou von einem Nachbar mit der Porträtierung des verstorbenen Vaters beauftragt. Nachdem sich der Maler an das Bett des Toten setzt und mit dem Malen beginnt, bewegt sich plötzlich der Leichnam. Er setzt sich im Bett auf und kopiert jede einzelne Bewegung des Malers. Der Maler fürchtet sich, malt das Porträt aber zu Ende. Als der Sohn des Toten ins Zimmer kommt, erschrickt er sich so sehr, dass er in Ohnmacht fällt. Einem weiteren Nachbar ergeht es genauso. Der Maler weiß sich letztlich zu helfen und ruft dem Totenträger mit dem Sarg zu, dass er einen Besen mitbringen soll. Denn schließlich fürchten Leichname sich vor Besen!
„Pi jiangshi jia 批殭尸頰“ (Einer Leiche eine Ohrfeige verpassen). Ein Mann namens Qian macht sich nach einer durchzechten Nacht auf den Heimweg, obwohl sein Bekannter rät, bei ihm zu übernachten. In seinem noch alkoholisierten Zustand kommt Qian an einigen Gräbern vorbei. Auf einmal sieht er wie eine Gestalt mit zerzaustem Haar barfuß in Richtung Wald springt. Vom Alkohol ermutigt verpasst Qian der Gestalt eine Ohrfeige. Diese dreht sich zu ihm, wendet sich dann aber doch wieder nach vorn. In ihren Bewegungen gleicht sie dabei einer Marionette. Eine dritte Person stößt hinzu, woraufhin die Gestalt endgültig im Wald verschwindet. Am nächsten Tag, wieder nüchtern, stellt Qian fest, dass seine Hand sich tintenschwarz verfärbt hat. Die Färbung bleibt für einige Jahre bestehen! Einheimische erklären Qian auf seine Frage hin, dass die Gestalt sicher ein noch nicht vollständig erstarrter Leichnam war.
Neugierig geworden? Noch mehr Geschichten gibt es im nächsten Newsletter!
Hier hätte sich ein Lektorat gelohnt…
Die folgenden Beispiele stammen aus verschiedenen Medien, die mir im Arbeitsalltag und in der Freizeit begegnen, mal auf Deutsch, mal auf English. Sie verdeutlichen, dass so mancher Text (und auch manches gesprochene Wort) vor der Veröffentlichung von einem Lektorat profitiert hätte. Mir geht es hier aber nicht darum, andere bloßzustellen. Daher nenne ich nur das Genre oder Medium, nicht aber die konkrete Person oder die Quelle, der die Beispiele zuzuordnen sind.
(Leider) so gelesen und gehört:
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- TAGESZEITUNG:
Seit Beginn des neuen Ausbruchs gebe 130 mutmaßliche Todesfälle.
[Grammatik: fehlendes Wort]
- TAGESZEITUNG:
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- INTERVIEW:
Das Leben eskaliert ihm ein bisschen durch die Finger.
[Stil: unidiomatische Ausdrucksweise]
- INTERVIEW:
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- REZEPT:
Finished with a chocolate drizzle
[Typografie: doppeltes Leerzeichen]
- REZEPT:
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- SOCIAL MEDIA:
This free annual event is open to all and will feature lots of awesome performances and hands on activities.
[Rechtschreibung: fehlender Bindestrich]
- SOCIAL MEDIA:
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Was ich im Oktober lese:
Wissenschaftliches
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- A Chinese Bestiary: Strange Creatures from the Guideways through Mountains and Seas
herausgegeben von Richard E. Strassberg, University of California Press, 2002.
- A Chinese Bestiary: Strange Creatures from the Guideways through Mountains and Seas
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- Networks of Touch: A Tactile History of Chinese Art, 1790–1840
von Michael J. Hatch, Pennsylvania State University Press, 2024.
- Networks of Touch: A Tactile History of Chinese Art, 1790–1840
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Freizeitlektüre
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- Welcome to the Hyunam-Dong Bookshop
von Hwang Bo-Reum. Bloomsbury Publishing, 2024. Aus dem Koreanischen von Shanna Tan.
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Was passiert, wenn man seinen Beruf aufgibt, um seinen Träumen zu folgen? Im Fall von Yeongju bedeutet das, einen kleinen Buchladen zu eröffnen. Die Geschichte ist allerdings nicht ganz so rosig, wie sich das im ersten Moment anhört. Es lohnt trotzdem bzw. gerade deswegen, sich darauf einzulassen und in die Tiefen und Untiefen im Leben einer Frau einzutauchen, die persönlich und beruflich einige Krisen zu bewältigen hat.
- Welcome to the Hyunam-Dong Bookshop
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- Wo die Wasser sich begegnen
von Zhang Ling. C.H.Beck, 2025. Aus dem Englischen von Susanne Horfeck.
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Eine transnationale und generationenübergreifende Geschichte über die Suche nach Antworten, nach Identität. Durch die Verflechtung von Gegenwart und Vergangenheit aus der Perspektive von Protagonistin Rain und weiteren Romanfiguren lässt sich gut nachempfinden, wie Rain, die die wahre Geschichte ihrer Mutter Phönix ergründet, Stück für Stück mehr darüber erfährt, wie es dazu kam, dass sie China verlassen und sich ihn Kanada niedergelassen haben. Auf jeden Fall lesenswert, aber es tun sich manche Abgründe auf, die Unbehagen verursachen. Das Buch eignet sich also nicht als leichte Lektüre vor dem Schlafengehen.
- Wo die Wasser sich begegnen
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Anstehende Termine
Oktober 2026
Zeit für Büchermessen
Im Oktober ist einiges los! Gerade ist die Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen, auf der ich einige interessante Autor*innen und spannende Bücher entdecken durfte. Nächste Woche geht es für mich direkt weiter auf eine weitere Messe, nämlich die LEIGA in Heilbronn. Hier werde ich mit einigen Kolleginnen am Stand des VFLL anzutreffen sein. Ich freu mich schon darauf, neue Bücherfreund*innen kennenzulernen!
Bei Fragen oder Rückmeldungen zu diesem Newsletter: Schreibt mir einfach an info@lektorat-johnson.de!
Wenn ihr euch mit mir vernetzen wollt, schickt mir gerne eine Kontaktanfrage per LinkedIn!
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