Randnotizen: September-Ausgabe
Randnotizen: September-Ausgabe
Liebe Leserinnen und Leser,
hier kommt auch schon die September-Ausgabe der Randnotizen!
Heute geht es darum, wie man beim Schreiben mit Betriebsblindheit umgehen kann. Außderdem geht es weiter mit der Vorstellung unbekannter Wesen in chinesischen Geschichtensammlungen. Natürlich gibt es frische Beispiele für unglücklich gewählte oder unlektorierte Formulierungen, die mir immer wieder im Alltag begegnen, und auch die Leseliste darf nicht fehlen!
Habt ihr Fragen oder Anregungen zum Newsletter? Dann freue ich mich sehr über eure Rückmeldung! Wie immer könnt ihr alle bisherigen Newsletter im Archiv auf der Webseite nachlesen.
Herzliche Grüße
Eure Teresa Johnson
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Teresa Johnson, Ph.D. 姜心悦
Deutsch (Muttersprache), Englisch, Chinesisch
Lektorat Johnson
Leistungen: Lektorat und Übersetzung
Spezialisierung: Wissenschafts- und Sachtexte
Tipps von Eurer Lektorin
Betriebsblindheit – was ist das eigentlich?
Wenn man sich lange und intensiv mit dem Schreiben eines Textes befasst, dann sieht man irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Oder anders formuliert, man verliert die nötige Objektivität, um Fehler aller Art im eigenen Text zu erkennen. Da man sich selbst so tief in den Text und all seine bestehenden Facetten hineingedacht hat, fallen Logikbrüche oder fehlende Wörter plötzlich nicht mehr auf. Auch Rechtschreib- und Grammatikfehler schleichen sich unbemerkt ein. Genau diesen Zustand, in dem man seine eigenen Fehler nicht mehr bemerkt, nennt man Betriebsblindheit.
Und jetzt? Was kann ich dagegen tun oder wie kann ich Betriebsblindheit von vorneherein vermeiden? Zunächst einmal kann ich euch beruhigen: Es ist ganz normal, dass man beim Schreiben betriebsblind wird. Ab einem gewissen Punkt passiert das jedem, auch den besten Autor*innen. Das gilt übrigens auch für mich: Obwohl ich Lektorin bin, übersehe ich bei meinen eigenen Texten manchmal auch mal ein paar Fehler.
Leider kann man das auch nicht wirklich verhindern. Verzagen müsst ihr aber trotzdem nicht! Am besten hilft es, wenn ihr euren Text anderen Personen zu lesen gebt. Idealerweise solchen Personen, die euren Text noch gar nicht kennen. Mit ihrem frischen und unvoreingenommenen Blick können sie kleinere und größere Fehler oder Probleme im Text sehr schnell erkennen und benennen. Das hilft euch wiederum dabei, euren Text zu bearbeiten und weiterzuentwickeln.
Genau dieser Ansatz ist auch Teil meiner Arbeit als Lektorin. Ich fungiere als euer frisches Paar Augen, das aufmerksam nach Logikbrüchen, Ungereimtheiten, Inkonsistenzen und sprachlichen Fehlern Ausschau hält. Während viele Testleser euch nur auf die Fehler hinweisen, was an sich auch erst einmal hilfreich ist, erhaltet ihr bei mir darüber hinaus konkrete Hinweise und praktische Anleitungen dazu, wie ihr euren Text verbessern könnt und somit eure Zielgruppe besser erreicht. Denn Feedback ist dann am hilfreichsten, wenn man weiß, wie man es zielgerichtet umsetzen kann.
Für die Zukunft gilt also: Betriebsblindheit ist nichts, wovor ihr Angst haben müsst. Stattdessen ist es aber sinnvoll, dass ihr euch an eine Person eures Vertrauens wendet, um die Betriebsblindheit zu überwinden!
Asienwissenschaften
In chinesischen Texten der Gattung zhiguai 志怪 (wörtlich: Aufzeichnungen des Ungewöhnlichen) kommen viele unterschiedliche Arten von Wesen vor. Neben Menschen geht es auch um Tiere, Götter, Geister, Monster und vieles mehr. In diesem Abschnitt des Newsletters stelle ich euch diese Wesen nach und nach vor und gebe euch Tips und Beispiele, wo ihr mehr zum jeweiligen Thema des Tages lesen könnt.
Wer oder was sind eigentlich guai 怪?
Weiter geht es heute mit guai 怪 bzw. Monstern. Die deutsche Übersetzung macht schon deutlich, dass diese Wesen, im Gegensatz zu gui 鬼, den Menschen durchaus gefährlich werden können oder ihnen zumindest Angst einflößen. Das äußere Erscheinungsbild von guai-Monstern ist schwieriger zu beschreiben als das von gui-Geistern: Sie nehmen nämlich ganz unterschiedliche Erscheinungsformen an. Manchmal sehen sie dabei den Menschen ähnlich. Häufig sehen sie aus wie Tiere, entspringen teils aber auch Gegenständen. Um sich von einem Spuk durch guai-Monster zu befreien, kann durchaus auch die Anwendung von Gewalt notwendig sein. In manchen Fällen erreichen die Menschen ihre Ruhe aber schlicht dadurch, dass sie betroffene Gegenstände aus ihrem Haus oder Umfeld entfernen. Auch wenn die guai-Monster in seltenen Fällen die Menschen lediglich im Sinne eines Streiches verärgern wollen, so lassen sie sich ingsesamt doch eher als bösartig und gefährlich einstufen.
Guai 怪 in zhiguai-Geschichten
So wie es viele Geschichten um gui-Geister gibt, so gibt es ebenso viele Geschichten über guai-Monster. In der Geschichtensammlung Zibuyu 子不語 (Worüber der Meister nicht sprach) findet man hierzu einige Beispiele.
In „Bian guai 匾怪“ (Das Monster in der Gedenktafel) wird der Gelehrte Sun in seinem Arbeitszimmer von einem Monster gestört, das ihn aus einer Gedenktafel an der Wand heraus ansieht und stört. Das Monster hat einen langen Bart, mit dem es Sun kitzelt. Doch immer wenn Sun sich die Tafel genauer ansieht, findet er nichts. Nachdem dies einige Tage lang so weitergeht, beginnt das Monster, Sun sogar im Schlaf mit dem Bart zu kratzen. Das Monster verschwindet letztlich erst, als Suns Familie die Gedenktafel von der Wand nimmt und verbrennt.
In der komplizierten Geschichte „Hudie guai 蝴蝶怪“ (Schmetterlingsmonster) begibt sich ein Mann namens Ye auf eine Tagesreise und trifft unterwegs zufällig einen anderen Mann, der das gleiche Reiseziel hat wie Ye. Der Unbekannte ist Ye von Anfang an ein wenig unheimlich. Als es dunkel wird, sieht Ye wie der Kopf des anderen Mannes seltsam an dessen Körper herunterhängt und wie der Mann seine übergroße zinnrote Zunge rausstreckt. Ein Bekannter von Ye versichert ihm, dass dieser fremde Mann sein Cousin sei. Nach einigen Gläsern Wein am Abend glaubt Ye schließlich, dass er sich alles eingebildet haben muss. In der Nacht jedoch greift der vermeintliche Cousin Ye mit seiner Zunge an, sodass Ye in seiner Verzweiflung den Gott Guandi um Hilfe anfleht. Guandi schreitet gerade noch rechtzeitig ein und greift den Mann bzw. das Monster mit einem Messer an. Das Monster verwandelt sich daraufhin in einen übergroßen Schmetterling und verschwindet bei einem Donnerschlag gleichzeitig mit Guandi.
Neugierig auf mehr? Im nächsten Newsletter gibt’s Nachschub!
Hier hätte sich ein Lektorat gelohnt…
Die folgenden Beispiele stammen aus verschiedenen Medien, die mir im Arbeitsalltag und in der Freizeit begegnen, mal auf Deutsch, mal auf English. Sie verdeutlichen, dass so mancher Text (und auch manches gesprochene Wort) vor der Veröffentlichung von einem Lektorat profitiert hätte. Mir geht es hier aber nicht darum, andere bloßzustellen. Daher nenne ich nur das Genre oder Medium, nicht aber die konkrete Person oder die Quelle, der die Beispiele zuzuordnen sind.
(Leider) so gelesen und gehört:
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- TAGESZEITUNG: Etwa wenn sich ein Paar in der eigenen Freundesgruppe plötzlich ein schickes Haus am Stadtrand kaufen, von dem man nie erwartet hätte, dass sie sich das leisten können. [Grammatik: Bezug]
- TAGESZEITUNG: Nach dem Ausstieg griff das Paar dann laut Bundespolizei die 41 Jahre Bahnmitarbeiterin und ihren zwei Jahre jüngeren Kollegen an. [Grammatik: fehlendes Wort]
- SOZIALE MEDIEN: Open from 6:15-1pm on the Capitol Square! You’ll find summer’s best at the market tomorrow [Stil: uneinheitliche Anwendung von AM und PM]
- SOZIALE MEDIEN: In just a few years he has volunteered of 250 hours to Olbrich. [Grammatik: Präposition]
Was ich im September lese:
Wissenschaftliches
- „The Biji xiaoshuo 筆記小說 Tradition and News Media: The Dianshizhai Pictorial 點石齋畫報 as a Case Study“ von Ying Wang, Journal of Chinese Literature and Culture, Vol. 12.2 (2025).
Freizeitlektüre
- Trust von Hernan Diaz. Riverhead Books, 2022. Ein komplizierter historischer Roman über Geld, Macht und Wahrheit in der New Yorker Finanzwelt der 1920er Jahre. Ein Roman im Roman führt eine zusätzliche Erzählebene ein und regt Leser*innen zum Nachdenken auf der Metaebene an.
Anstehende Termine
September 2026
Klappentexte schreiben und redigieren
Im September besuche ich den nächsten Workshop für euch beim VFLL: „Klappentexte schreiben und redigieren“. Im Gegensatz zum Buchmanuskript sind Klappentexte genau genommen Werbetexte. Diese so zu schreiben, dass sie die Zielgruppe ansprechen und überzeugen, ist gar nicht so einfach wie man denkt. Um euch bei euren Buchprojekten noch besser unterstützen zu können, besuche ich diesen spannenden Workshop. Im Anschluss daran gebe ich mein Wissen gerne sofort an euch weiter – damit auch euer Buchprojekt davon profitiert!
Bei Fragen oder Rückmeldungen zu diesem Newsletter: Schreibt mir einfach an info@lektorat-johnson.de!
Wenn ihr euch mit mir vernetzen wollt, schickt mir gerne eine Kontaktanfrage per LinkedIn!
Interesse an meinem Lektorat?
Wie wäre es mit einem Lektorat zum Kennenlernen?
Wenn du meinen Arbeitsstil als Lektorin kennenlernen möchtest, ist ein Lektorat zum Kennenlernen die perfekte Lösung. Ich lektoriere deinen Text exakt eine Stunde lang. Danach erhälst du den lektorierten Text zurück und wir besprechen mein Feedback für dich in einem Telefonat oder Videocall. Interessiert? Dann kontaktiere mich noch heute!
