Randnotizen: Sechste Ausgabe

Teresa Johnson, Ph.D.

Sprach- und Kulturexpertin. Menschen verbinden auf Deutsch, Englisch und Chinesisch.

03. August 2026

Randnotizen: Sechste Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser,

hier in Baden-Württemberg haben gerade die Ferien begonnen und so starten viele dieser Tage in ihre Sommerpause. Bei den Randnotizen hingegen geht es jetzt erst richtig los. Während ihr in den vergangenen Monaten vielleicht verwundert (oder sogar sehnsüchtig?) auf Post von mir gewartet habt, habe ich mir ein paar Neuerungen für den Newsletter einfallen lassen. Diese stelle ich euch hier natürlich gerne vor!

Wie gewohnt erfahrt ihr hier regelmäßig Neues aus meiner Welt des Lektorierens und Übersetzens. In Zukunft dürft ihr euch einmal im Monat auf die Randnotizen in eurem Postfach freuen.

Was ist neu? In den kommenden Ausgaben des Newsletters möchte ich euch verstärkt von meinem Forschungsthema erzählen. Ihr dürft euch also freuen auf Einblicke in die Welt chinesischer Geschichtensammlungen, die von unterhaltsam bis gruselig und von rührend bis erstaunlich so ziemlich alles umfasst.

Alles hat sich nicht geändert. Was bleibt also gleich? Wie in den vergangenen Monaten teile ich weiterhin meine akutelle Leseliste mit euch. Außerdem suche ich kontinuierlich alle möglichen Beispiele zusammen von Texten oder Textstellen, die vor der Veröffentlichung von einem Lektorat profitiert hätten.

Über eure Rückmeldungen und Anregungen zu den Randnotizen freue ich mich immer sehr! Alle bisherigen Newsletter könnt ihr im Archiv auf der Webseite nachlesen.

Herzliche Grüße

Eure Teresa Johnson


Teresa Johnson, Ph.D. 姜心悦
Deutsch (Muttersprache), Englisch, Chinesisch

Lektorat Johnson
Leistungen: Lektorat und Übersetzung
Spezialisierung: Wissenschafts- und Sachtexte

Tips von Eurer Lektorin

Warum ein Probelektorat?

Der Erfolg eines Buchprojekts oder eines anderen Textprojekts hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Das Lektorat trägt unter anderem dazu bei, dass dein Text am Ende deine Zielgruppe erreicht und abholt.

Teil meiner Aufgabe als Lektorin ist es, dich auf Problemstellen im Text hinzuweisen, z. B. wenn ein Satz oder eine Formulierung für die Zielgruppe unverständlich ist. Dabei geht es auch gar nicht um die Frage, ob dein Text gut oder schlecht ist, sondern darum, wie wir ihn (noch) besser auf die Zielgruppe ausrichten können.

Wo kommt jetzt das Probelektorat ins Spiel? Am besten ganz am Anfang, bevor du dich überhaupt verbindlich für eine Zusammenarbeit mit mir entscheidest. Denn ich möchte, dass du dir sicher bist, dass dir mein Arbeitsstil zusagt!

Natürlich ist mein Feedback zu deinem Text immer sachlich, denn ich begründe meine Verbesserungsvorschläge immer mit Blick auf die Zielgruppe. Dabei geht es nicht um meine persönlichen sprachlichen Vorlieben, sondern um Erfahrungswerte rund um das Schreiben und Lesen.

Wenn es um die Frage geht, ob Autorin und Lektorin zusammenpassen, spielen manchmal aber auch einfach menschliche Sympathien eine Rolle – und das ist völlig in Ordnung!

Da es beim Probelektorat lediglich um einen Ausschnitt des Gesamttextes geht, bietet es eine gute Grundlage, um herauszufinden, ob wir fachlich und menschlich zusammenpassen! Probier es bei deinem nächsten Textprojekt am besten einfach aus!

Asienwissenschaften

In chinesischen Texten der Gattung zhiguai 志怪 (wörtlich: Aufzeichnungen des Ungewöhnlichen) kommen viele unterschiedliche Arten von Wesen vor. Neben Menschen geht es auch um Tiere, Götter, Geister, Monster und vieles mehr. In diesem Abschnitt des Newsletters stelle ich euch diese Wesen nach und nach vor und gebe euch Tips und Beispiele, wo ihr mehr zum jeweiligen Thema des Tages lesen könnt.

Wer oder was sind gui 鬼?

Den Anfang machen heute gui 鬼, auf Deutsch: Geister. In ihrem Äußeren ähneln sie den Menschen, sodass man sie durchaus miteinander verwechseln könnte. Im Gegensatz zu den lebenden Menschen gehören diese Geister jedoch der Unterwelt an. Häufig such diese Untoten die Menschen auf, um ein Unrecht anzuklagen, offenstehende Schulden einzufordern oder gar um durch eine Art Körpertausch ins Leben zurückzugelangen. Viele Menschen in den Geschichten begegnen diesen Geistern mit Angst, doch stellen die gui-Geister nicht immer und unbedingt eine Gefahr für die Lebenden dar. Manchmal handelt es sich schlicht um die Verstorbenen der eigenen Familie, die mit einer Bitte ihre Hinterbliebenen aufsuchen – oder auch mal mit einem Spuk für Verunsicherung sorgen. Die gui-Geister lassen sich also nicht eindeutig als gut- oder bösartig beschreiben.

Gui 鬼 in zhiguai-Geschichten

Tatsächlich gibt es unzählige Geschichten, in denen es um gui-Geister geht. Auch meine persönliche Lieblingssammlung von zhiguai-Geschichten, die den Titel Zibuyu 子不語 (Worüber der Meister nicht sprach) trägt, kann mit einigen Beispielen aufwarten. Hier folgen für den Anfang erst einmal zwei:

In „Hanjiang yuan yu 漢江冤獄“ (Ein Fall von Unrecht in Hanjiang) wird der Magistrat von Hanjiang in die Unterwelt geführt, da ein gui-Geist ihm dort vorwirft, ihn zu Lebzeiten zu Unrecht verurteilt zu haben. Vor einem Gericht der Unterwelt wird allerdings die Unschuld des Magistrats bewiesen. Der gui-Geist muss daraufhin die Wiedergutmachung des an ihm begangenen Unrechts an anderer Stelle weiterverfolgen.

In der Geschichte „鬼請吸煙 Gui qing xiyan“ (Ein Geist bietet seine Pfeife an) erleidet ein Mann einen Fiebertraum. Ein Wesen in dunkler Kleidung führt ihn in die Unterwelt, wo er aufgrund einer Verwechslung Rede und Antwort stehen muss. Auf dem Rückweg in die Welt der Lebenden, als dieses Wesen ihm seine Pfeife zum Rauchen anbietet, erkennt der Mann, dass es sich um einen Geist handelt. Als er aus seinem Fieber erwacht, ist er schweißgebadet, aber erholt sich von seiner Krankheit.

Neugierig geworden? Noch mehr Geschichten gibt es im nächsten Newsletter!

Hier hätte sich ein Lektorat gelohnt…

Die folgenden Beispiele stammen aus verschiedenen Medien, die mir im Arbeitsalltag und in der Freizeit begegnen, mal auf Deutsch, mal auf English. Sie verdeutlichen, dass so mancher Text (und auch manches gesprochene Wort) vor der Veröffentlichung von einem Lektorat profitiert hätte. Mir geht es hier aber nicht darum, andere bloßzustellen. Daher nenne ich nur das Genre oder Medium, nicht aber die konkrete Person oder die Quelle, der die Beispiele zuzuordnen sind.

 

(Leider) so gelesen und gehört:

  • TAGESZEITUNG: Seit 1986 gelingt es am CERM … produzierte Antimaterieteilchen so weit abzubremsen, dass sie gespeichert werden können. [Rechtschreibung]
  • TV-Kochsendung: Das Rezept ist ein bisschen in Vergangenheit geraten. [Stil: unidiomatische Ausdrucksweise]
  • SOCIAL MEDIA: Mir ist der Kaffee ausgeschüttet und das Buch lag im Weg. [Stil: falsches Verb]
  • MUSEUMS-WEBSEITE: More Informations [Grammatik: Pluralbildung]

Was ich im August lese:

Wissenschaftliches

  • „Learning to Hear: Evidential Scholarship and the Ancient Song in High Qing China“ von Matthew Wild, Harvard Journal of Asiatic Studies, Vol. 86.1 (2026).
  • Networks of Faith and Profit: Monks, Merchants, and Exchanges between China and Japan, 839-1403 CE von Yiwen Li. Cambridge University Press, 2023.

Freizeitlektüre

  • Quantenträume: Erzählungen aus China über Künstliche Intelligenz von Hao Jingfang, Qiufan Chen, Wang Jinkang und anderen. Heyne, 2020. Aus dem Chinesischen von Karin Betz, Johannes Fiederling, Marc Hermann, Michael Kahn-Ackermann und Eva Lüdi Kong. Das Thema KI ist im Jahr 2026 in aller Munde, was dieses Buch auch heute noch relevant macht, obwohl es schon vor sechs Jahren erschienen ist. Es präsentiert ganz unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen davon, wie sich KI in unserem menschlichen Leben darstellen könnte. Es lädt einmal mehr dazu ein, darüber nachzudenken, was uns als Menschen in unserem Menschsein ausmacht.
  • Butter von Asako Yuzuki. Aufbau Taschenbuch, 2023. Ins Deutsche übersetzt von Ursula Gräfe. Ein Krimi, der so unterschiedliche Themen wie Journalismus, Manipulation, Selbstfindung, Körperbewusstsein, Freundschaft und Freude am Kochen und Essen gekonnt miteinander verbindet. Die Geschichte entfaltet sich langsam und ruhig, ist aber trotzdem spannend erzählt. 

Anstehende Termine

August 2026

Im Newsletter gibt es zwar einige Neuigkeiten zu entdecken, aber in Hinblick auf Termine mache auch ich eine kleine Sommerpause. Neues berichte ich dann gerne wieder im September!

Bei Fragen oder Rückmeldungen zu diesem Newsletter: Schreibt mir einfach an info@lektorat-johnson.de!

Wenn ihr euch mit mir vernetzen wollt, schickt mir gerne eine Kontaktanfrage per LinkedIn!

Interesse an meinem Lektorat?

Wie wäre es mit einem Probelektorat?

Wenn du meinen Arbeitsstil als Lektorin kennenlernen möchtest, ist ein Probelektorat die perfekte Lösung. Beim Kennenlernlektorat lektoriere ich deinen Text exakt eine Stunde lang. Danach erhälst du den lektorierten Text zurück und wir besprechen mein Feedback für dich in einem Telefonat oder Videocall.

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